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Referentinnen und Referenten |


 






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Prof. Dr. Hartmut Rosa
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Soziologe, Politikwissenschaftler,
Schiller-Universität Jena
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Auszeichnungen:
2016: Tractatus-Preis / 2018: Erich-Fromm-Preis / 2018: Paul-Watzlawick-Ehrenring / 2019: Ehrendoktorwürde der University of Humanistic Studies in Utrecht / 2019: Schirmherrschaft für den UNESCO-Lehrstuhl „Pratiques de la Philosophie avec les enfantes“ als Nachfolger von Michel Serres an der Université de Nantes.
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Veröffentlichungen (eine Auswahl):
2005, Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung. Suhrkamp, Berlin / 2012, mit Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik. Wenn es im Klassenzimmer knistert. Beltz, Weinheim/Basel / 2016, Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp, Frankfurt am Main / 2018, Unverfügbarkeit (Unruhe bewahren). Residenz, Salzburg

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Lernprozesse im Resonanzraum Schule –
Andere Perspektiven auf Unterricht

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Wenn Sachen behandelt werden, die im Lehrplan stehen, aber die Schüler nicht berühren, vielleicht auch die Lehrer nicht. Dann machen beide Seiten ihren Job. Und das führt dann zu dem, was der Politikwissenschaftler Peter Grottian ‚negative Komplizenschaft‘ genannt hat: Beide Seiten erwarten voneinander nichts mehr, die Lehrer erwarten gar nicht, dass die Schüler sich interessieren und die Schüler erwarten auch nicht, dass die Lehrer sich intensiv um sie kümmern. Darin liegt ein systematisches Problem. Wir müssen ergebnisorientiert handeln und leistungsorientiert permanent versuchen, Effizienz zu steigern und Prozesse zu optimieren. Es gibt unendlich viele Indikatoren und Vergleichstests aller Art, die etwas über Schulqualität zum Ausdruck bringen. Und da wird überall systematisch versucht, diese Parameter zu verbessern. Ich nenne das parametrische Optimierung.
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Ich verstehe die Resonanz-Theorie und insbesondere die Resonanzpädagogik nicht als komplett abgeschlossene und feststehende Entwürfe, sondern als Dinge, die wir gemeinsam noch weiter erproben und weiterentwickeln müssen. Und da dürfen wir Resonanz nicht zu einem Konzept des Außergewöhnlichen machen. ‚Wenn es im Klassenzimmer knistert', sind das natürlich besondere Momente. Ein Dauerknistern im Klassenzimmer wäre aber nur ein lästiges Störgeräusch. Und deshalb würde ich gerne ein Konzept einführen, das Resonanz zweiter Ordnung bedeutet. Das ist nicht diese aktive intensive Erfahrung einer außergewöhnlichen Begegnung, sondern eine Art Grundgefühl, dass wir auf resonante Weise aufeinander bezogen sind, dass tatsächlich der Raum, die Atmosphäre, die da herrscht, immer auch wieder die Gewissheit herstellt oder uns in der Tatsache vergewissern lässt, dass wir in einer Art Resonanzbeziehung stehen. Dass im Unterrichtsgeschehen alle Beteiligten, Lehrer und Schüler, aber auch Schüler untereinander bereit sind, sich zu hören, einander zu antworten, sich aber auch verwandeln zu lassen. Dieses Grundgefühl, dass da intakte Resonanzachsen sind, ist nicht das intensive Gefühl einer Resonanzerfahrung erster Ordnung, sondern eine Resonanz-Vergewisserung zweiter Ordnung.

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